Cee-Lo, ehemals Rapper bei Goodie Mobb aus Atlanta, Sänger von Gnarls Barkley, hat ein neues Album rausgebracht - die Single „Fuck You“ läuft seit Wochen im Radio. Komischerweise verwenden auch deutsche Sender oft die „cleane“ Version „Forget You“, obwohl sie nicht dazu gezwungen sind. Eine Zensur findet nicht statt.

Besonders geht „Bright Lights Bigger City“ ab, der Song gleich nach dem Intro.

Das Album hat NPR, der öffentliche US-Rundfunk, dankenswerterweise online gestellt. Man kann sich einzelne Lieder anhören, oder das ganze als Stream und zwar hier.

Noch zwei Wochen bis zu den amerikanischen Kongresswahlen – und zur nicht mehr abzuwendenden Niederlage für Barack Obamas Demokraten im Repräsentantenhaus. Die Wahl wird der vorläufige Tiefpunkt der Rutschbahn sein, auf der sich der Präsident befindet, seit er mit Bruce Springsteen seine Amtseinführung feierte. Abgesehen davon, dass es sich aus der Opposition einfach besser mit Schmutz werfen lässt, ist der Grund für die Wiederauferstehung der Republikaner im Jahr zwei nach Bush die aggressive Tea-Party-Bewegung, deren Kandidaten und ihre bizarren Anwürfe gegen Regierung, Kultur und selbst die Geschichte der USA man gar nicht ernstnehmen würde, wenn sie nciht die gesamte republikanische Partei vor sich hertreiben würde. Weil auch sonst moderatere Konservative nur in der Aggressivität der Teebeutelwerfer eine Chance sehen, die verlorengegangene Macht zu sichern, lassen sie sich auf dieses Spiel gerne ein. Ob das Kartenhaus Tea Party im nächsten Jahr in sich zusammenfallen wird oder ob ihre Galionsfiguren, Sarah Palin und der Fernsehmoderator Glenn Beck, gemeinsam das Projekt Präsidentschaft in Angriff nehmen, sei dahingestellt. Wer die rechte Randgruppe, die so tut, als würde sie die Mitte der Gesellschaft und den common sense repräsentieren, durchschauen will, sollte ein paar Artikel lesen. Die Liste der Pflichtlektüre zur Tea Party:

Mit verleumderischen Anschuldigungen von rechts war schon Bill Clinton konfrontiert, aber dass der lunatic fringe so gut organisiert und finanzstark auftritt, hat die Demokraten von 2010 völlig auf dem falschen Fuß erwischt. Die Finanzstärke fasst sueddeutsche.de zusammen. Als einer der ersten hat der New Yorker die Verstrickung steinreicher Amerikaner in die Bewegung öffentlich gemacht – am Beispiel von Charles Koch, Chef des Konzerns Koch Industries.

Wen die Person Sarah Palin interessiert (und wen interessiert sie nicht?), dem sei der Versuch von Vanity Fair, ein Porträt der hermetisch abgeschirmten Politikerin (oder ist sie doch motivational speaker? Eine Unternehmerin ihrer selbst?) zu schreiben. Das Ergebnis ist unheimlich: Seit ihrer Wahlniederlage hat sich Palin offenbar ein kleines Netz von Vertrauten aufgebaut; wer nciht spurt, bekommt bizarre Wutusbrüche des Kontrollfreaks Palin zu spüren. Die „Frau der kleinen Leute“, als die sie sich immer gerne präsentiert, hat sich selbst in ihrer Heimat Alaska vor ihren Nachbarschaft verschanzt. Im Inneren ihrer Festung arbeitet sie an einem neuen Buch (was ihr, wie schon Going Rogue mehrere Millionen Dollar einbringen dürfte) und plant ihren Eroberungsfeldzug durch Amerika.

Nun zu Glenn Beck: Fox-Moderator, der sich selbst als „Teacher“ sieht, ist vor allem deshalb so faszinierend, weil er seine Übertreibungen, Geschichtsfälschungen und paranoiden Theorien offensichtlich selbst glaubt. Ihn treibt nicht Machtgeilheit, sondern das echte Gefühl, den (weißen, christlichen, heterosexuellen) Amerikanern die „Wahrheit“ über ihr Land zu erzählen. Becks Ideologie speist sich aus zwei Quellen: Der konservativen Variante des Mormonentums, zu dem der ehemalige Alkoholiker konvertiert ist, und der Tradition des aggressiven rechten Antikommunismus, wie ihn die John Birch Society seit den Kennedy-Jahren vertritt. Dieser Unfug entspricht exakt der Definition Richard J. Hofstadters vom „paranoid style in American politics“ und war zwei Jahrzehntelang vergessen, bis Beck ihn über seine von Millionen gesehene Show ganz oben auf die Agenda der Rechten hob.

Betrifft: Hrn. Sarrazin

29. August 2010

Grundsätzlich sollte ein Deutscher, der einen Satz mit „Alle Juden …“ beginnt, diesen nicht zu Ende sprechen. Bevor der Sturm wegen Thilo Sarrazins Äußerungen über „jüdische Gene“ aber vollends hochkocht, sollte man kurz wissen, worum es geht – das scheint nämlich eigentlich keiner zu tun. Hier ein paar nützliche Links.

Zunächst: Sarrazin ist ja ausgesprochener Philosemit. Er glaub offenbar – wie viele andere auch, dass Juden grundsätzlich cleverer sind als andere Menschen – was ihn nicht unbedingt sympathischer macht, teilt er diese Ansicht doch mit genuinen Antisemiten. Das perfide am Judenhass im Vergleich zu anderen Ismen ist ja, dass er seinem Feindbild nicht unterstellt, primitiv zu sein, sondern überlegen (und bösartig).

Komplett aus der Luft gegriffen ist sein Satz über Gene nicht: Was Sarazzin wohl meint und so unglaublich platt ausdrückt, sind Studien in der Populargenetik, die gerade in Israel auf großes Interesse stoßen. Die Untersuchung der Verteilung von Genen und Haplogruppen ist faszinierend, kann man so doch Migrationsbewegungen der Menschheitsgeschichte nachvollziehen, für die es keine schriftlichen Zeugnisse gibt. Interessant zum Beispiel, dass es genetische Gemeinsamkeiten unter vielen -weltweit verstreut lebenden – Cohens gibt. Morgenländer, der tiefer in der Materie steckt als ich, weist in seinem lesenswerten aktuellen Beitrag darauf hin, dass genetische Gemeinsamkeit noch lange nicht in von Sarrazin behaupteten „kulturellen Eigenart“ bestimmt. Er tut so, als könnten wir nicht anders – wir sidn Sklaven unserer Herkunft. Unsinn.

Genetische Indizien, die beispielsweise auf die Verwandschaft der osteuropäischen Juden, der Ashkenazi hinweisen, gibt es tatsächlich – hauptsächlich über bestimmte Krankheiten, die wesentlich häufiger auftreten als in anderen communities. Allerdings laden solche Forschungen an den scheinbaren „Eigenheiten“ ethnischer Gruppen natürlich dazu ein, politisch vereinnahmt zu werden.

Trotzdem schafft Sarrazin es, seine Thesen nach Rassentheorie klingen und nach Eugenik riechen zu lassen. Das ist einfach das ihm eigene Talent.

Übrigens: Dass seine Äußerungen über Muslime in Deutschland zwar bei vielen auf automatische Zustimmung stoßen weil sie scheinbar dem „gesunden Volksempfinden“ entsprechen, heißt noch lange nicht, dass sie auch wahr sind.

Aber jetzt haben sich alle wieder lieb und hören Ofra Haza:

Enge Hosen, enger Gürtel

29. August 2010

gibt es etwa doch weniger Hipster als geglaubt? Sind sie am Ende gar nicht echtß Nur eine Erfindung von Spiegel Online gar? Passen Macbook, Latte Macchiato und gelangweiltes glotzen durch Riesensonnebrillen nicht zusammen. Oder ist der Grund für American Apparels angebliche Krise am Ende, dass sie ihr – für Basics zugegebenermaßen qualitativ okayes – Zeug in Deutschland für genausoviele Euros wie Dollars in den USA verkauft haben und damit Durchschnittssweater gern mal 50 Euro kosteten? Naja, auf jeden Fall ist Krise bei Dov Charney, und Franziska Seyboldt, Redakteurin bei taz.de macht sich so ihre Gedanken zur kollektiven Magersucht.

Leider finde ich die Seite eines Journalisten aus LA nciht mehr, der vor einigen Jahren die Arbeitsbedingungen bei AA untersucht hat, mit vielen Arbeitern und Gewerkschaftlern gesprochen hat und in seinem Blog detailliert alles zum Thema gesammelt hat, dort hat man einen sehr ausgewogenes Bild mti Statements von allen Seiten inkl. Charney bekommen. Aber ich finde es auf Teufel komm raus nicht mehr, sorry!

Traumhaft!

15. August 2010

Zwei Fundstücke zu Christopher Nolans Inception, den ich übrigens keinesfalls schlechtmachen möchte. Der Film ist großartig, perfekt gemacht und seine größte Stärke ist, dass Nolan bei allen doppelten und dreifachen Traumebenen und Limben die Story handwerklich so sauber erzählt, dass der Zuschauer sich nie verloren fühlt. Sicher eine Leistung, schließlich liegt es in diesem mit der Realität spielenden Genre nahe, ihn zu verwirren stat ihn an die Hand zu nehmen und ein schlechterer Regisseur hätte sich wahrscheinlich dazu verleiten lassen. Der Film ist also jedem zu emfehlen, nicht nur der geistigen Elite wie manche behaupten.

(Via Fünf Filmfreunde)

Ein paar Scherze wie dieser hätten Inception sicher gutgetan. Einzige Schwäche des Films ist Nolans Humorlosigkeit und seine Ironiefreiheit, wie auch Salon.com festgestellt hat. Das ist übrigens eine Schwäche, die Nolan mit seinem Lieblingsschauspieler teilt.

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