Moon – Sam Rockwell in Höchstform

14. Juli 2010

Truman Burbank lebte, ohne es zu wissen, in einer künstlichen Welt um die Menschen zu unterhalten. Sam Bells Aufgabe ist wesentlich profaner: Er muss arbeiten. Rohstoffe ernten, um den unersättlichen Hunger der Erde nach Energie zu stillen. Sam arbeitet auf dem Mond. Allein. Und stellt eines Tages fest, dass er weniger Individuum als vielmehr Eigentum einer Firma ist.

Morgen läuft Moon in den Kinos an. Wer Glück hatte, konnte den Film schon vor über einem Jahr beim Münchner Filmfest oder beim Fantasy Filmfest sehen. Wie so oft bei guten Indie-Filmen, dauerte es, bis er seinen Weg auf den deutschen Kinomarkt fand. Moon hat einen BAFTA gewonnen und wurde bester britischer Independent-Film.

Sam wird gespielt von Sam Rockwell, der seit Confessions of a Dangerous Mind eher enttäuschte – vielleicht hätte er sich auch nicht in der Rolle des Zaphod Beeblebrox mit Mark Wing-Davey messen sollen.

Diesmal liefert Rockwell eine einmalige Performance ab. Alleine in der Mondbasis verbringt er die Zeit zwischen seinen Ernteausflügen im Rover mit Modellbau, ein typischer arbeitender Mensch, der immer viel zu abgespannt von seiner Arbeit aussieht. Eigentlich will er nur heim, zu seiner Frau und seiner kleinen Tochter. Doch er ahnt nicht, dass sein Arbeitsvertrag auch seine Lebensspanne ist, er mit Haut und Haaren seinem Arbeitgeber Lunar Industries gehört, ja nur dank ihrer Gnade überhaupt existiert. Erst als er nach einem Unfall mit dem Rover ein Gespräch zwischen der Zentrale und seinem Hilfsroboter GERTY (der im Original wunderbar von Kevin Spacey gesprochen wird und nciht zufällig an HAL erinnert) belauscht wird er misstrauisch – und setzt dank seiner Neugier und Entschlossenheit eine handlung in gang, die das geschlossene System, in dem er lebt, langsam zum Einsturz bringt.

Als er von seinen Überwachern unbemerkt zum Rover zurückkehrt, findet er: sich selbst. Die Klone beharken sich misstrauisch und versuchen beide, Sinn in die verworrene Situation zu bringen. Der diensterfahrene Sam verlottert und bastelt an seinen Figuren – der frisch “gebootete” Klon ist impulsiv und versucht, mehr Licht in die Sache zu bringen. Als beide herausfinden, dass sie aus Serienproduktion stammen, wird ihnen bewusst, dass es um leben oder Tod geht. Ihre Killer sind bereits unterwegs um den Fehler im System zu “beheben”.

Jones’ hat sich viel vorgenommen in seinem Debütfilm: Es ist ein Blick in eine – erschreckend möglich erscheinende Zukunft: Auf Klonen, die Kommerzialisierung von Erbgut, Ausbeutung und die gefährliche Arbeit, die jene verrichten, die unsere Energie aus der Erde saugen. Der Regisseur paart das ganze mit einer fast schon veraltet erscheinenden Sehnsucht der Menschen: Der nach der Einsamkeit im All, auf dem Mond. Oft erinnert Moon an Odysee 2001, Solaris und Alien, und Duncan Jones macht auch keinen Hehl aus seinen Vorbildern. Er hält sein Versprechen: Die Storyline erfordert höchste Konzentration des Zuschauers, hängt aber trotz Komplexität an keiner Stelle. Kaum zu glauben, dass der Film mit seiner Mondlandschaft und die beiden Sam Rockwells, die sich in der engen Basis auf die Füße steigen, für ein Budget 5 Millionen Dollar produziert wurde. Eine unbedingte Empfehlung, nicht nur für Fans von ScI-Fi-Klassikern! Moon hat das beste aus Solaris und Code 46. Ruhig, aber verdammt spannend. Schnell reingehen, bevor ihn die Kinos wieder aus dem Programm werfen!

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